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Auricher Handballer gestaltet OHV-Vereinsmagazin

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   Sonderberichte

Der Auricher Friedrich Günsel gibt zu jedem Heimspiel des Handball-Drittligisten OHV Aurich in Eigenregie ein Vereinsmagazin heraus: den „Tempogegenstoß“. Aber das ist noch längst nicht alles.

 

Aurich - Schreiben. „Das habe ich schon immer gerne gemocht und gemacht“, sagt Friedrich Günsel. Seine Lehre hat der Auricher 1959 als Schriftsetzer abgeschlossen. Ist heute Seniorchef der Druckerei Meyer. Seine sportliche Leidenschaft ist seit Jahrzehnten der Handball. In der Kombination wird daraus der Macher des Vereinsmagazins des OHV Aurich, das er zu jedem Heimspiel des Handball-Drittligisten herausgibt: den „Tempogegenstoß“. An diesem Sonnabend zum Spiel des OHV gegen den Wilhelmshavener HV. Es ist ein Vereinsmagazin, das in der 3. Liga seinesgleichen sucht. Und von den gegnerischen Teams viel gelobt wird.

 

Schreiben, Anzeigen akquirieren, gestalten: Das Heft ist von der ersten bis zur letzten Seite sein Ding. Mit einem „Vorwort“ von ihm selbst verfasst. Und manchmal auch mit ein bisschen „Kauelee“. So nennt Günsel seine Rubrik, in der er sich auf plattdeutsch auslässt. Auf diese Art geschrieben sorgt selbst derbe Kritik beim Leser noch für ein Schmunzeln. Schon die Überschrift Kauelee. Klingt doch viel netter als Geschwätz, wie es „übersetzt“ heißen würde. Regelmäßige Textbeiträge zum Magazin kommen vom OHV-Vorsitzenden Ulrich Mittelstädt und vom Co-Trainer der Drittliga-Mannschaft, Eric Hettmann, zum Spiel.

 

Als Jugendlicher noch Feldhandball gespielt

 

Den restlichen Platz im Heft füllt Günsel mit festen Rubriken wie Ergebnissen und Mannschaftsaufstellungen sowie Infos aus dem Verein und aus der 3. Liga allgemein. Letztere holt er sich aus dem Internet oder zieht sie sich aus der Fachzeitschrift „Handballwoche“. Er hat von dort das Okay bekommen, Beiträge daraus in Auszügen im OHV-Vereinsmagazin zu veröffentlichen.

 

Über drei Tage streckt sich meist der Zeitraum, das Heft zu gestalten. Nach einem Heimspiel gilt Günsels Blick am darauf folgenden Montag zunächst den Fotos von der Partie, die er per Mail bekommt. Bis vor ein paar Jahren hat er auch Fotos noch selbst gemacht. Günsel sammelt gleich nach einem Heimspiel auch bereits Material für die nächste Ausgabe. „Und ich überlege schon mal, worüber ich schreiben möchte.“

 

Begeistert von den Möglichkeiten der Technik

 

Den Dienstag vor einem Heimspiel hat er für sich als Redaktionsschluss gesetzt. Für letzte Nachrichten hält er sich aber immer noch ein Zeitfenster offen: „Man muss ja auch aktuell sein.“ Donnerstags nachmittags hält er das gedruckte Produkt dann meistens in den Händen. Erstellt hat er es komplett am Computer. Er ist begeistert von den Möglichkeiten, die die Technik bietet. Als die aufkam, war er bereits im fortgeschrittenen Alter. Günsel war aber sofort fasziniert und hat mitgezogen: „Da passe ich auch jetzt noch auf, dass ich nicht abgehängt werde.“

 

Mit jetzt 81 Jahren ist er fit im Umgang mit dem Betriebssystem Mac OS. Fotos sortieren, Archive anlegen. „Da kann man so unglaublich viel mit machen“, sagt Günsel. „Herrlich.“ Die Schreibmaschinen-Zeiten wünscht er sich nicht zurück. Als Textfehler noch umständlich mit einer Korrekturflüssigkeit oder -folie berichtigt werden mussten. Ganz zu schweigen von Sätzen, die eingefügt werden mussten. „Was ist das jetzt toll, ganze Absätze ohne großen Aufwand einfach tauschen zu können.“ Dazu noch das Internet: „Eine wunderschöne Sache.“

 

 Mit der Vereinszeitung für den SC Tannenhausen fing alles an

 

Das OHV-Magazin ist nicht die einzige Vereinszeitung, die Günsel „baut“. Er erstellt auch eine für den SC Tannenhausen. Damit hat alles angefangen. Seit 1971, nachdem er zwei Jahre zuvor in Tannenhausen zusammen mit seiner Frau Bärbel gebaut hatte, ist Günsel Mitglied in dem Verein.

 

Er, der als Jugendlicher beim MTV Aurich noch Feldhandball gespielt hat, zwischenzeitlich zum Fußball zur SpVg Aurich gewechselt war, schaute einfach mal beim Handballtraining der Tannenhausener vorbei. Weil er wissen wollte: „Ob ich das wohl noch hinbekomme, was ich früher mal gut konnte?“ Er blieb dabei. Bis zu seinem 50. Lebensjahr spielte er noch aktiv. Zuletzt in der dritten Mannschaft des SC. Und beim MTV Aurich ist er seit den 70er Jahren ebenfalls wieder eingebunden. Anfangs als Betreuer der Handballmannschaft.

 

Gestalter im Hintergrund

 

Als der Handball im PSV Aurich-West seine Anfänge nahm, unterstützte er auch den Verein, über den sich im Laufe der Jahre der OHV entwickelte und zur Saison 1999/2000 startete. Günsel entwickelte gleich darauf das OHV-Logo in den ostfriesischen Farben. Es ist noch immer aktuell. Er hat gerne mitgemischt. Und tut es heute noch. Aber nie an vorderster Stelle. Er bleibt lieber im Hintergrund.

 

Als Günsel beim SC Tannenhausen einstieg, war der Verein neu gegründet und auf der Suche nach ehrenamtlich tätigen Mitgliedern. Er, der 1975 die Druckerei Meyer übernommen hatte, erklärte sich bereit und brachte 1979 die Vereinsbroschüre „Blickpunkt Sport“ heraus. Mit einer Seite fing er an. In schwarz-weiß. Im Dezember 2020 kam zuletzt ein „Blickpunkt“ heraus. Es war die 125. Ausgabe. Mit einem Umfang von 76 Seiten. Im Vierfarbdruck.

 

 Büro ist eine Handball-Schatzkiste

 

Günsel sagt heute noch zu seiner Entscheidung, eine Lehre als Schriftsetzer zu machen: „Das war ein Volltreffer.“ Im Februar 1959 wurde er als Schriftsetzergehilfe in der Buch- und Kunstdruckerei Karl Meyer übernommen. Nach dem Tod von Meyer im Jahr 1961 übernahm dessen Sohn, Dr. med. Wolfgang Meyer, die Druckerei kommissarisch. Er las und korrigierte auch die Texte von Günsel, die der für den „Ostfriesischen Sonntagsboten“, der das Hauptprodukt der Druckerei war, geschrieben hatte. Änderungen markierte er rot. „Das konnte ich überhaupt nicht haben“, erinnert sich Günsel.

 

Sein Büro heute im Druckereigebäude in Schirum ist eine Handball-Schatzkiste. Die Schränke? Voll mit Ordnern gesammelter Auricher Handballgeschichte. Protokolle, Flyer, Fotos, Vereinsbroschüren, Hallenmagazine. Sortiert und beschriftet. Von 1971 an. Lückenlos.

 

Günsel ist Handballer durch und durch. Stammzuschauer bei den Spielen des OHV. Ob er schon mal eins verpasst hat? „Verpasst“. Er überlegt. „Höchstens aus gesundheitlichen Gründen.“ Erinnern kann er sich daran nicht. „Es macht jedes Mal wieder Spaß.“ Der Auricher ist stadtbekannt. Aber weniger unter seinem Vornamen Friedrich als vielmehr unter seinem Spitznamen Charly. „Das hängt wohl damit zusammen, weil ich in jungen Jahren als lebenslustiger Mensch aufgefallen bin“, vermutet er. Und fröhlich aufgelegt ist er heute noch.

Friedrich „Charly“ Günsel ist begeistert von den technischen Möglichkeiten, mit denen er das OHV-Vereinsmagazin „Tempogegenstoß“ erstellt. Fotos: Silke Meyer
Die Schränke in Günsels Büro sind voll mit Ordnern gesammelter Auricher Handballgeschichte.
 

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