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Handballer des OHV II starten mit abenteuerlichen Aussichten

|   2. Herren

Für den Trainer der Verbandsliga-Handballer des OHV Aurich II wird die Saison zu einem personellen Puzzlespiel. Nur eine Zone ist problemfrei.

 

Aurich - Eine Wundertüte zu öffnen ist nicht spannender: Wenn Patrick Tulikowski, Trainer der Verbandsliga-Handballer des OHV Aurich II, am Sonnabend mit seiner Mannschaft in Melle bei der Eickener SpVg in die Saison startet, dann weiß er nicht, was in ihr steckt. Und wer in ihr steckt. Dieser Überraschungseffekt wird ihn die gesamte Spielserie über begleiten. Wie er das findet? „Total spannend.“

 

In den Saisons zuvor sei es für ihn um ein Vielfaches einfacher gewesen, zu planen. Da konnte er auf ein eingespieltes Team mit einem festen Personalstamm bauen. „In der vergangenen Saison gehörten 16 Spieler zum Kader, die immer da waren“, so Tulikowski. Dieser Stamm aber hat sich berufs- und studiumsbedingt weit verzweigt. Deshalb kommt die Mannschaftsaufstellung jetzt einem Puzzle gleich, das zu jedem Spiel neu zusammengesetzt werden muss.

 

Viele personelle Fragezeichen

 

Definitiv weiß Tulikowski nur, dass er ohne Jannik Tuinmann planen muss. Er hat aus beruflichen Gründen aufgehört. Ab dem 1. Oktober steht auch Renke Steen nicht mehr zur Verfügung. Er beginnt ein Studium in Hamburg. Mit Steffen Eilers muss der OHV-Trainer auf einen Spieler verzichten, der ein Torgarant war. Eilers möchte ein Jahr pausieren und sich auf sein Referendariat konzentrieren. Auch Hauke Dannholz, der zum Studium nach Osnabrück geht, und Jan-Ole Lokers (Bundeswehr) werden aus dem Kader ausscheiden.

 

 Es ist jetzt nicht so, dass Tulikowski personellen Notstand leidet. Aber die vielen wiederkehrenden Fragezeichen-Einsätze, die zu den Abgängen noch dazukommen, machen eine Planung kompliziert. Renke und Nico Gronau zum Beispiel sind bei der Polizei in Bremen im Einsatz. Wenn es ihr Dienst erlaubt, sind sie beim Spiel dabei. Oder Arne Tuinmann. Er ist ebenfalls bei der Polizei. Sein Einsatzort ist künftig Braunschweig. Auch Jannik Dallügge ist im Wochenenddienst tätig. Ein Einsatz von Andreas Rohden ist ebenfalls unsicher.

 

Eine Position besonders knifflig zu besetzen

 

Offen ist zudem die Frage, inwieweit Tulikowski wieder auf zuletzt verletzte Spieler bauen kann. Jonas Speckmann. Sören Rossow nach seinem Kreuzbandriss. Simon Stoehr. Wie der Trainer damit umgeht? „Ich werde mich wohl weniger mit dem Gegner beschäftigen, sondern muss mich mehr auf meine Truppe vorbereiten.“ Und die Spieler sich auf neue Rollen. Die kniffligste Position ist für Tulikowski die des Kreisläufers. Denn alle drei bisherigen etatmäßigen Kreisläufer stehen nicht mehr zur Verfügung.

 

Wegen der verzwickten personellen Lage, die flexibles Handeln nötig macht, hat der OHV seine im Vorfeld der Saison gemeldete dritte Mannschaft wieder zurückgezogen. In ihr sollten A-Jugendliche wie Lukas Meinke sowie Stig Lübben und Eric Dannehl, die noch zum jüngeren A-Jugend-Jahrgang gehören, Spielpraxis sammeln. Sie gehören jetzt mit zum Kader der zweiten Mannschaft. Deren einziger Neuzugang von außerhalb ist Fynn Menne, der vom Oberligisten SG VTB Altjührden zum OHV wechselte. Er und Meeno Reshöft gehören zwar auch zum erweiterten Kader der Drittligamannschaft, sollen aber in erster Linie Spielpraxis in der Verbandsliga sammeln. Zusammen mit Jannick Neumann bilden sie das Trio, mit dem Tulikowski fest plant. Alles andere muss passend gemacht werden.

 

Torhüterposition problemfreie Zone

 

Vorsichtshalber hat Tulikowski schon mal bei Leon Höppner angeklopft, ob der der noch ein paar Handballschuhe im Regal stehen hat. Für den Notfall. Der Routinier hat inzwischen eigentlich die Rolle des Betreuers übernommen. Die einzige problemfreie Zone ist die Torhüterposition. Austen Müller, Frederik Möhlmann sowie der Nachwuchstorhüter im Drittliga-Team, Marten Jungvogel, stehen bereit. Jungvogel gehört für den an diesem Sonnabend aus privaten Gründen verhinderten Müller zum Kader.

 

Mit diesen abenteuerlichen personellen Aussichten kann Tulikowski nur schwer einschätzen, wo er seine Mannschaft leistungsmäßig einordnen soll: „Ich weiß überhaupt nicht, wo wir stehen. Ich weiß überhaupt nicht, wie stark unsere Gegner sind.“ Mit ihren Ergebnissen in den Spielen der Vorbereitung auf die Saison macht seine Mannschaft die Verwirrung komplett. Bewusst hatte Tulikowski Testbegegnungen gegen höherklassig spielende Mannschaften vereinbart. Dreimal trat sein Team gegen Oberligisten an, einmal gegen einen niederländischen Zweitligisten. Tulikowski konnte es danach jeweils kaum glauben: „Jedes Mal sind die Spieler mit einem Strahlen rausgegangen. Wir haben alle gewonnen.“ Und zwar megadeutlich.

 

OHV steht lange Saison bevor

 

Seit sieben Wochen bereiten sich die Auricher auf die Saison vor. Die wird lang. 15 Mannschaften umfasst die Staffel Nordsee. In Corona-Zeiten zum Unmut des OHV-Trainers. In der 3. Liga, in den Oberligen, in der Landesliga, fast überall werde in kleineren Staffeln gespielt: „Nur in der Verbandsliga nicht.“

 

Statt auf zwei hätte Tulikowski es lieber gesehen, dass sich die insgesamt 29 niedersächsischen Verbandsligisten auf drei Staffeln verteilt hätten. Auch deshalb, weil er nach der langen Corona-Spielpause und mit Blick auf eine Mammutsaison ein hohes Verletzungsrisiko befürchtet. Die Mehrheit der Vereinsvertreter aber hatte im Vorfeld gegen kleinere Staffeln votiert. Jetzt starten die Auricher also am Sonnabend in eine Saison, die am 4. Juni 2022 endet.

Ein einziges Heimspiel konnte der OHV Aurich II coronabedingt in der vergangenen Saison nur bestreiten. Gegen den TV Neerstedt. Mit acht Toren gehörte Steffen Eilers zu den Haupttorschützen der Auricher, die das Spiel aber verloren. Berufsbedingt müssen die Auricher in dieser Saison auf Eilers verzichten. Archivfoto: Bernd Wolfenberg
 

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