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Handball: Saisonabbruch in Niedersachsen nur noch Formsache

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   2. Herren

Der Handballverband Niedersachsen erklärt die Punktspiele 2020/21 für beendet. Mit diesem Ergebnis endete am Montagabend eine Videokonferenz. Der Trainer des OHV Aurich II hofft auf Alternativen.

Aurich. Nun führt also doch kein Weg mehr dran vorbei. Bis zuletzt hatten sich die Handballer im Verband Niedersachsen (HVN) von Termin zu Termin gehangelt und gehofft, die Saison irgendwie fortsetzen und zu Ende bringen zu können. Jetzt ist ein Abbruch für den HVN-Präsidenten Stefan Hüdepohl und seinen Vizepräsidenten Spieltechnik, Jens Schoof, aber nur noch Formsache. Das ist das Ergebnis der Videokonferenz vom Montagabend, die sie mit Vertretern der Gliederungen geführt haben. Die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen hätten zu dem Schritt gezwungen.

 

 Für OHV-II-Trainer Patrick Tulikowski kommt der Saisonabbruch nicht überraschend.

 

Für den Trainer der Verbandsliga-Handballer des OHV Aurich II, Patrick Tulikowski, ist der keine große Überraschung: „Spätestens nach der Verlängerung des zweiten Lockdowns war relativ klar, dass da nichts mehr kommen kann. Egal, ob der jetzt bis zum 6. oder 15. März dauert.“ Die Auricher hatten in dieser Saison bisher zwei Spiele bestreiten können. Zum Auftakt am 3. Oktober gewannen sie bei der Eickener SpVg mit 42:25 Toren. Das Heimspiel am darauffolgenden Wochenende verloren sie gegen den TV Neerstedt knapp mit 28:30. Das war’s. Als einziges der 15 Teams umfassenden Verbandsliga, Staffel Nordsee, hatte es der Wilhelmshavener HV II auf drei Spiele gebracht und führte mit 6:0 Punkten die Tabelle an. Drei Mannschaften hatten lediglich ein Spiel bestritten.

 

Saisonabbruch ohne Wertung der bisher ausgetragenen Spiele

 

Die Punkte spielen jetzt aber wohl keine Rolle mehr. Der Abbruch soll erfolgen, ohne dass die bisher ausgetragenen Spiele gewertet werden. Dafür fehlt nur noch der offizielle Beschluss des Präsidiums. Den kündigten Hüdepohl und Schoof aber noch für diese Woche an. Zuvor wollen sich die Verantwortlichen noch Rechtssicherheit verschaffen. Die Niedersachsen sind mit ihrer Entscheidung, die Saison abzubrechen, nicht die ersten. Vor ihnen hatten bereits der Badische Handballverband (HV), der HV Niederrhein, der Pfälzer HV, der HV Rheinhessen, der HV Rheinland, der HV Saar, der Südbadische HV und der HV Württemberg auf die Entwicklung in der Pandemie so reagiert.

 

Die Spitzenvertreter des niedersächsischen Verbandes hatten sich vor der Videokonferenz online mit den Vertretern der Gliederungen ausgetauscht und davor bereits mit denen der Mannschaften aus den Ober- und Verbandsligen. Ein Meinungsbild der Mannschaften, die in den Landesligen (mit TuRa Marienhafe bei den Männern) und Landesklassen antreten, hatten sie sich schriftlich eingeholt. Von den 164 Vertretern der Vereine in den Landesligen und -klassen hatten sich knapp 90 Prozent dafür ausgesprochen, die Saison abzubrechen beziehungsweise auf eine Wertung zu verzichten.

 

Für OHV-II-Trainer sind Wettkämpfe momentan unwichtig

 

Für Tulikowski sind Wettkämpfe momentan überhaupt nicht wichtig. Für ihn geht es jetzt um So-schnell-wie-möglich-Alternativen, die Handballer bei Laune zu halten. Er wäre schon glücklich, wenn er den Trainingsbetrieb wieder ein bisschen aufleben lassen könnte: „So in der Form, wie wir normalerweise eine Saison ausklingen lassen. Es geht einfach darum, als Gemeinschaft wieder etwas zu machen.“ Mit dem Wunsch steht Tulikowski nicht allein. Die Mehrheit an der Basis fordert Perspektiven, wie es mit dem Handballsport weitergehen kann. „Ziel muss es sein, zumindest zurück ins Training zu kommen, um dann Spiele auf freiwilliger Basis in engen regionalen Grenzen zu organisieren“, wird Hüdepohl in der Pressemitteilung des Verbandes zitiert. Auch Rasen oder Sand kommen da ins Spiel. Tulikowski würde jeden Schritt zurück zum Handball begrüßen: „Kleinfeldhandball sechs gegen sechs zum Beispiel. Das wäre doch super.“ Nur verpflichtend dürfen die Angebote aus seiner Sicht nicht sein.

 

Auch Handballverband kritisiert Pläne der Landesregierung

 

Wie sehr sich die Spieler nach einer Rückkehr sehnen, zeigt der Blick auf die ersten Lockerungen nach dem Lockdown im Frühjahr. „Da haben wir uns Anfang Mai draußen auf dem Parkplatz getroffen“, so Tulikowski. Die nächste Frage sei damals schon gleich gewesen: „Wann fangen wir an?“ Daraufhin trafen sich die Spieler zweimal die Woche und spielten im Rahmen des Erlaubten Fußball. Für Tulikowski der Beweis: „Es geht nicht um die Sportart. Es geht einfach darum, gemeinsam etwas zu machen.“

 

Je länger die sportliche Zwangspause dauert, desto mehr nehmen die Kontakte zu den Spielern ab. Tulikowski fühlt vor allem mit den Jugendlichen. Die hätten sich lange auf die Saison vorbereitet, Länger als normal. „Und dann wird die Saison zwei Tage, bevor sie losgehen sollte, abgesagt.“

 

Die Sportler in Niedersachsen bräuchten eine Perspektive, so Hüdepohl. Das setze aber voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibe. Deshalb kommt der Stufenplan 2.0 der Landesregierung bei Hüdepohl gar nicht gut an. Er schließt sich damit der Kritik an, die kürzlich schon der Niedersächsische Fußballverband an den Plänen geäußert hatte. Hüdepohl fürchtet, dass die Handballer nicht vor Juni oder gar erst nach den Sommerferien in die Hallen zurückkehren dürfen. Und fordert: „Wir brauchen schnellstmöglich in den Bereichen, in denen die Inzidenz niedrig ist, eine Trainingsmöglichkeit in Gruppen auch in der Halle.“ Schließlich werde doch immer wieder betont, welch hohe Integrationskraft und gesellschaftliche Verantwortung der Sport habe.

Ein Heimspiel konnten die Verbandsliga-Handballer des OHV Aurich II (mit Ball Renke Steen) in dieser Saison bestreiten. Das war am 10. Oktober gegen den TV Neerstedt II. Archivfotos: Wolfenberg
Für OHV-II-Trainer Patrick Tulikowski kommt der Saisonabbruch nicht überraschend.