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OHV kassiert im Derby schmerzhafte Niederlage

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Das war bitter: Mit 28:29 Toren haben die Drittliga-Handballer des OHV Aurich am Sonnabend gegen den Wilhelmshavener HV verloren. Es war der Wermutstropfen auf ein Höhepunkt-Spiel in dieser Saison.

Aurich - Für das Derby hätte kein Regisseur das Drehbuch besser schreiben können: Kribbelnd, spannend von der ersten bis zur tatsächlich auch letzten Sekunde. Die Kulisse mit rund 1500 Zuschauern beeindruckend. Eine Atmosphäre, die unter die Haut ging. Mit einem Wermutstropfen am Ende allerdings für den OHV. Die Auricher verloren gegen Tabellenführer Wilhelmshavener HV ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe letztlich bitter mit 28:29 Toren. Mega gefeiert wurden die Auricher nach dem Spiel von ihren Fans aber trotzdem. „Solch ein Spiel mit einem Tor zu verlieren ist total schmerzhaft“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha. „Die Jungs haben gekämpft. Haben mit Herz gespielt.“

 

Kleinigkeiten haben entschieden. „Wir haben wohl ein, zwei Fehler mehr gemacht als die Wilhelmshavener“, sagte OHV-Mannschaftsführer Jonas Schweigart in einer ersten Reaktion enttäuscht. Die hingen den Aurichern vor allem in der Schlussphase nach. Nach einem ausgeglichenen Verlauf in der zweiten Halbzeit mit zunächst wechselnden Führungen, in der sich keine Mannschaft mit mehr als einem Tor absetzen konnte, liefen die Auricher in den letzten sieben Minuten diesem einen Tor vergeblich hinterher.

 

 Zuschauer hält es nicht auf den Sitzen

 

An diesem Verlauf hatte auch Nachwuchsspieler Sören Fuhrmann seinen Anteil, dem bei seinem Kurzeinsatz Mitte der zweiten Halbzeit drei Tore gelangen und der einen Siebenmeter herausholte. „Mutig“, gab es dafür vom Routinier im OHV-Team, Evgeny Vorontsov, Lob. 70 Sekunden vor Schluss glich Nikita Pliuto nervenstark per Gegenstoß zum 28:28 aus. Er hatte sich in der Abwehr den Ball selbst erobert. Überhaupt verdiente er sich in der Defensive Bestnoten. Im Gegenzug kassierten die Auricher allerdings gleich das 28:29. Sven Eberlein war aus dem Rückraum erfolgreich. Jener Spieler, der maßgeblich zum Sieg der Wilhelmshavener beitrug. Es war sein zwölfter Treffer.

 

42 Sekunden blieben den Aurichern noch für ihren Angriff. Die Zuschauer hielt es da schon längst nicht mehr auf ihren Sitzen. Blacha setzte die Auszeitkarte. Noch 30 Sekunden. Den angesagten Spielzug sollte Kevin Wendlandt, der einen Sahnetag erwischt hatte und mit elf Toren aus einem geschlossen stark auftretenden Auricher Team herausragte, per Kempa abschließen. Es kam anders als geplant. Die Wilhelmshavener hatten damit gerechnet und ihre Abwehr entsprechend eingestellt. Sie retteten den Vorsprung bis zum Schlusspfiff. Als letzte Chance blieb den Aurichern schließlich nur ein Freiwurf, der danach noch ausgeführt werden musste. Petar Puljic trat an. Die Wilhelmshavener Mauer aber war zu hoch, der Winkel auf der rechten Rückraumseite zu spitz, als dass der Ball noch hätte im Netz landen können.

 

Tabellenführer Wilhelmshaven den Tick abgezockter

 

„Wir hatten zwei-, dreimal die Chance, in Führung zu gehen, haben sie nicht genutzt“, sagte OHV-Torwart Frederick Lüpke geknickt. Die Wilhelmshavener hätten in der ein oder anderen Szene das Quäntchen mehr Glück gehabt und seien abgezockter gewesen. So, wie Lüpke mit etlichen Paraden geglänzt und zum engen Spielverlauf beigetragen hatte, war es letztlich mit ein großer Verdienst von Jakub Lefan im Tor der Wilhelmshavener, dass dessen Mannschaft über einen Derbysieg jubeln konnte. Der 32-jährige Tscheche schien die Ruhe in Person. Ohne großen Aktionsradius. Völlig unspektakulär. Aber mit exzellentem Stellungsspiel und, wenn es drauf ankam, einer Reaktionsschnelligkeit, mit der er so manche Tormöglichkeit der Auricher vereitelte.

 

 „Lefan hat uns den Zahn gezogen“, sagte dann auch der OHV-Neuzugang und ehemalige Wilhelmshavener Vorontsov. In Lefan und Eberlein sah WHV-Trainer Christian Köhrmann ebenfalls seine Erfolgsgaranten. Er sprach von einem verdienten Sieg: „Wir sind jederzeit ruhig geblieben.“ Auch gegen Ende der ersten Halbzeit, als der OHV die besseren Karten in der Hand zu haben schien. Die Wilhelmshavener mussten ihre Angriffe häufig unter dem Druck des Zeitspiels abschließen, das die Schiedsrichter angezeigt hatten. So führte der OHV zum Beispiel in der 27. Minute 14:12. Hatte zunächst Glück, dass der Pfosten den Anschlusstreffer der Wilhelmshavener verhinderte, als Kreisläufer Gabrijel Misetic frei zum Wurf gekommen war. Weil sich die Auricher jedoch im folgenden Angriff einen technischen Fehler leisteten, nutzte Sebastian Maas die Chance zum Gegenstoß und verkürzte doch (13:14).

 

 Auf Seiten des OHV hatte Lukas Günsel dann Pech, dass der Ball nach seinem Wurf von Rechtsaußen vom Innenpfosten wieder heraussprang. Stattdessen gelang dem zweitligaerfahrenen Tobias Schwolow mit der Halbzeitsirene aus dem Rückraum das 14:14. So viel zur Abgezocktheit der Wilhelmshavener.

 

„Es hat nicht gereicht gegen den Tabellenführer. Gegen ihn zu verlieren, ist keine Schande“, sagte Blacha.

 

OHV Aurich – Wilhelmshavener HV 28:29 (14:14)

OHV Aurich: Kuksa (1. - 23. Minute), Lüpke (23. - 60.), Jungvogel; Wendlandt (11 Tore), Günsel, Fuhrmann (3), Vorontsov (3), M. Pliuto (1), N. Pliuto (1), Wark, Reshöft, Schweigart (7/davon 4 Siebenmeter), Hertlein, Menne, Puljic (2).

Wilhelmshavener HV: Lefan (1. - 60.), Stasch (bei zwei Siebenmetern), Maas (2), Delic, Eberlein (12/4), Maretic, Hein, Kozul (2), Schwolow (4), Coßmann (2), Mißling (5), Misetic (2).

Zeitstrafen: OHV 8 Minuten – WHV 4.

Siebenmeter: OHV: 5/4 verwandelt – WHV 5/4.

Schiedsrichter: Matthias und Sebastian Klinke (Bordesholm).

Zuschauer: rund 1500.

Torfolge: 2:3 (7. Minute), 4:5 (13.), 7:5 (16.), 10:7 (20.), 10:10 (23.), 14:12 (27.), 14:14 (30.); 17:18 (37.), 22:21 (46.), 25:24 (51.), 25:26 (53.), 28:28 (58.), 28:29 (60.).

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Das bittere Ergebnis mussten OHV-Torwart Frederick Lüpke (links) und Evgeny Vorontsov erst einmal sacken lassen.
OHV-Spieler Kevin Wendlandt fand immer wieder eine Lücke in der Wilhelmshavener Abwehr.
Die Fans sorgten im Derby zwischen dem OHV und dem Wilhelmshavener HV unter Vorgabe der 2G-Regel für eine Stimmung wie zu besten Zeiten in der Arena. Fotos: Bernd Wolfenberg