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OHV-Mannschaftsführer: „Der Handball fehlt total“

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Nicht zum ersten Mal sind die Drittliga-Handballer des OHV Aurich in der Zwangspause. Für Mannschaftsführer Jonas Schweigart ist die Zeit jetzt aber noch schwieriger als im Frühjahr.

Aurich. Am Wochenende wäre der letzte Spieltag in diesem Jahr in der 3. Handball-Liga gewesen. Ja, wenn Corona nicht einen dicken Strich durch den Spielplan gemacht hätte. Seit Anfang November geht gar nichts mehr. Der OHV Aurich hätte am Freitag im Derby beim TV Cloppenburg antreten müssen. Die Gedanken des Mannschaftsführers der Auricher kreisen zwar auch in der Zwangspause nach wie vor um den Handball. „Aber das Spiel hatte ich nicht mehr auf dem Schirm“, sagt Jonas Schweigart lachend.

 

Fit zu bleiben, darauf kommt es für ihn und seine Teamkollegen in einer Zeit, in der kein Mannschaftstraining erlaubt ist, jetzt an. „Jeder macht für sich etwas“, sagt Schweigart. Jeder müsse sich ja schon deshalb bewegen, weil es der Körper gewohnt ist. Der ist schließlich auf mehrmaliges Training in der Woche plus den Einsatz in Punktspielen eingestellt.

 

Gute-Laune-Sport geht anders

 

Schweigart hält sich sportlich unter anderem mit Laufen fit. Gute-Laune-Sport aber geht anders. Nicht, dass er grundsätzlich etwas gegen das Laufen hätte. Im Gegenteil. „Aber jetzt fehlt bei den Runden durch den Stadtpark immer der Ball.“ Und nicht nur der. Schweigart vermisst auch den Körperkontakt, den Teamspirit. Denn nicht ohne Grund hat er sich für einen Mannschaftssport und im speziellen für den Handball entschieden. Der Sport hilft dem Studenten normalerweise auch, um vom Uni-Alltag abzuschalten: „Der Kopf versinkt inzwischen immer mehr in Uni-Arbeit. Der Ausgleich fehlt.“ Sport und Corona bilden ein verflixtes Konfliktfeld. „Aber da steht die Gesundheit einfach im Vordergrund“, sagt Schweigart, der vollstes Verständnis für die in Pandemiezeiten getroffenen Maßnahmen hat.

 

Seine Mannschaftskollegen und er haben im Frühjahr beim ersten Lockdown zwar schon einmal solch eine Zwangspausensituation durchgemacht. Und doch ist es diesmal etwas anderes. „Jetzt ist es noch schwieriger als beim ersten Mal“, so der OHV-Kapitän. Damals habe ihn, wie alle anderen, der Spielstopp zwar auch getroffen: „Aber da standen nicht mehr so viele Spiele auf dem Plan. Da war die Saison schon fast zu Ende. Aber jetzt stehen wir noch ganz am Anfang.“

 

Nicht mit einem so frühen Saisonabbruch gerechnet

 

Vier Spiele haben die Auricher in einer Saison, die im Oktober und damit einen Monat später als üblich begann, gespielt. Bei der Gestaltung des Spielplans, der sich an der Normalität orientierte, war Corona noch außen vor, aber dann doch schneller drin als befürchtet. „Jeder hat sich anfangs der Illusion hingegeben, dass es gut geht“, so Schweigart. Alle seien einfach nur froh gewesen, dass es wieder losging. „Und nach dem Spiel war vor dem Spiel. Man hat sich daran geklammert, wieder spielen zu dürfen“, sagt Schweigart.

 

Mit den steigenden Infektionszahlen aber wuchs das ungute Gefühl. Am 31. Oktober hätten die Auricher bei GWD Minden II antreten sollen. Das Spiel wurde auf Wunsch der Auricher verlegt, ein Wochenende später der Spielbetrieb eingestellt. Für Schweigart absehbar. Ihm wurde immer klarer: „Die Entwicklung des Infektionsgeschehens wird auch den Sport auf dem Niveau, auf dem wir ihn betreiben, treffen.“ Bei aller Liebe zum Handball sei eine Fortsetzung nicht mehr zu rechtfertigen gewesen, steht er hinter der Entscheidung.

 

Mit Videos den Nachwuchs zum Trainieren animiert

 

Dass die Saison nicht so glatt laufen würde wie geplant, das war bei aller Illusion zwar zu vermuten. „Aber dass es so früh passiert, nicht“, sagt Schweigart. Im November durften die Auricher noch weiter trainieren, da die 3. Liga dem Bereich Profisport zugeordnet wird. Ohne der Auflage, sich vorher einem Corona-Schnelltest unterziehen zu müssen. Seit Dezember aber sind diese Tests verpflichtend, um Mannschaftssport weiter betreiben zu dürfen. Seitdem trainiert jeder OHV-Spieler meist für sich. „Über Videoschalte machen wir auch die ein oder andere Übung gemeinsam“, sagt Schweigart. Über Skype und Telefon stehen die Spieler zudem über das Sportliche hinaus in Kontakt.

 

Und nicht nur mannschaftsintern. Die Drittligaspieler haben auch Leben ins sportlich ruhende Vereinsgeschehen gebracht. Sie haben sich mit Videobeiträgen von ihrem Heimtraining an den Nachwuchs gerichtet. Angefangen bei den Wusels über die Minis bis zur A-Jugend. Das kam gut an. „Normalerweise sehen wir uns ja in der Halle. Wir wollten den Nachwuchsspielern mit dieser Aktion einfach zeigen, wir dürfen auch nicht trainieren, und sie animieren, sich, wie wir, trotzdem fit zu halten“, sagt Schweigart.

 

Hoffen auf sportlichen Saisonabschluss

 

Er fühlt in dieser noch nie da gewesenen Situation aber nicht nur mit den Spielern: „Die Zwangspause ist eine riesige Baustelle für den gesamten Verein.“ Sie als Drittligamannschaft seien sicher der Kern des Ganzen: „Mit dem Team drumherum, das jetzt den Betrieb aufrecht erhalten muss, wollte ich aber nicht tauschen. Alle Achtung, was dort geleistet wird.“ Seinen Dank richtet Schweigart darüber hinaus auch an die Sponsoren, die den Verein unterstützen.

 

Stand aktuell ist geplant, dass die Punktspiele in der 3. Liga am ersten Februar-Wochenende fortgesetzt werden. Aber ob das auch so kommt? Voraussetzung dafür ist, dass die Mannschaften im Januar wieder trainieren dürfen. Und zwar deutschlandweit. Drei, vier Wochen Vorbereitung brauche es schon, um wieder auf einen wettbewerbsfähigen Stand zu kommen, so Schweigart. Jeder müsse für sich die Grundlage schaffen und das Fitnesslevel in Eigenregie hoch halten: „Aber Spielsituationen kannst du nicht alleine trainieren.“

 

Ob aber im Januar Training tatsächlich wieder erlaubt sein wird, scheint fraglich. Die Infektionszahlen machen dazu wenig Mut.

 

Wann immer es auch wieder losgehen kann – am Ende der Saison soll eine sportliche Lösung stehen. Dafür bleibt bis zum 30. Juni Zeit. Schweigart wäre schon glücklich, wenn wenigstens die Hinrunde gespielt werden könnte: „Der Handball fehlt mir total.“

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Gegen den TuS Vinnhorst konnte Jonas Schweigart zuletzt das machen, was er am liebsten mag: Handball spielen. Das war am 25. Oktober. Archivfoto: Wolfenberg