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Eine nie da gewesene Herausforderung

Erstellt von Ostfriesiche Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Handball-Drittligist OHV ist sportlich in einer komfortablen Situation – und steht doch wegen Corona vor einigen Fragezeichen

 

Aurich. Dass Handball-Drittligist OHV Aurich zu diesem Zeitpunkt einer Saison vor Fragezeichen steht, ist für das Team nichts Neues. Und diesmal doch ganz anders. Bisher hatte die häufig ungewisse Zukunft aufgrund der Tabellensituation einen sportlichen Hintergrund. Für welche Liga mussten sie planen? Sie hatten es aber immer selbst in der Hand, die Antwort zu geben. Jetzt haben sie den Klassenerhalt längst sicher, sind frei von diesen Sorgen und hängen mehr in der Luft denn je. Denn das Wie-geht-es-weiter liegt derzeit aufgrund der Corona-Krise nicht in ihrer Macht.

 

Es ist gerade mal zwei Wochen her, da kochte die Stimmung in der Sparkassen-Arena noch über, als sich der OHV und der Wilhelmshavener HV ein packendes Derby lieferten. Selbst auf das Spiel bei LiT Tribe Germania, das für vergangenen Sonntag angesetzt war, hatten sich die Auricher noch vorbereitet. Da waren die Spiele in der 1. und 2. Bundesliga bereits abgesagt und der Handballverband Niedersachsen hatte den Spielbetrieb komplett stillgelegt. Einzig übrig geblieben war die 3. Liga. Bis am Donnerstagabend dann doch die Absage kam. Da hatte die Mannschaft gerade mit dem Training begonnen. Es wurde in eine lockere Übungseinheit umgestaltet. Ebenso wie die nächste sportlich-aktive Zusammenkunft einen Tag später. „Da haben wir uns noch geeinigt, uns künftig wenigstens zweimal in der Woche zu treffen, um uns fit zu halten“, sagte OHV-Co-Trainer Eric Hettmann. Das Trainerteam wollte es den Spielern selbst überlassen, wie sie die Übungseinheiten gestalten wollten. „Alle waren unsicher“, sagte Hettmann.

 

Seit dem Wochenende aber ist klar: Die Idee ist aufgrund staatlich angeordneter Maßnahmen und geschlossener Sporthallen nicht umzusetzen. Die OHV-Verantwortlichen sind jetzt dabei, den Weg, wie es nun weitergehen soll, abzustecken. „Die Spieler sind aus ihrem normalen Rhythmus ordentlich rausgerissen“, sagte Hettmann. Fast täglich haben sie trainiert. Meist gemeinsam. Jetzt aber lautet die bundesweit geltende Maßgabe, sich nicht in Gruppen und Vereinen zu treffen. Daran halten sich die Auricher Handballer. Angedacht ist, dass OHV-Fitnesstrainer Holger Erdelt ein Programm ausarbeitet, nach dem sich die Spieler individuell fit halten. Das Trainerteam vertraut dabei auf die Eigeninitiative.

 

Die sportlich ungewisse Zukunft ist aber nur das eine, die wirtschaftliche das andere. „Das muss sich zeigen“, sagte Lutz Günsel, der zusammen mit Jörg Schmeding Geschäftsführer der Ostfriesland Sport Marketing (OHS) ist, dem wirtschaftlichen Träger der Mannschaft. Wie geht diese Saison weiter? Wird sie überhaupt zu Ende gespielt? Wenn ja, ob mit Zuschauern oder ohne? Drei Heimspiele würden für den OHV noch anstehen. Und damit auch Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Aber auch der wirtschaftliche Ausblick, der auf die kommende Saison, ist eine große Unbekannte. „Wir müssen abwarten, wir gucken von Woche zu Woche, von Tag zu Tag“, sagte Günsel.

 

Das Positive in dieser ungewissen Zeit: Mit dieser Situation müssen alle fertig werden. Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Andreas Michelmann, und der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief an die Handballer gewandt. Sportliche Prioritäten müssten in dieser Zeit hintenanstehen heißt es dort. Alle bräuchten in dieser Zeit aber auch Halt, Zuversicht und eine Perspektive. In Arbeitsgruppen werden Antworten auf spieltechnische Fragen gesucht.

 

Günsel würde sich riesig freuen, wenn die Saison zu Ende gespielt werden würde. Bisher ist die Partie des OHV gegen den Leichlinger TV am Sonntag, 19. April, die letzte, die im Spielplan als verlegt eingegeben ist. „Wir müssen jetzt aber erst einmal abwarten und Ruhe bewahren“, sagte Günsel, „und versuchen, alle gesund zu bleiben.“

 

Wir. Ihr. Alle. – das ist das Leitmotiv des DHB. Jetzt mehr denn je. Und dann in einer hoffentlich nahen Zukunft, in der Handball wieder unser Leben bestimmen kann, heißt es abschließend in dem Offenen Brief des Deutschen-Handball-Bundes.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das werden wir lange nicht mehr sehen: OHV-Spieler Jonas Schweigart erzielt in der rappelvollen Arena ein Tor gegen Wilhelshaven.Archivfoto: Wolfenberg