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Wie Kinder außer Rand und Band

Erstellt von Ostfriesische Nachrichten: Silke Meyer | |   1. Herren

Die Drittliga-Handballer des OHV Aurich dürfen nach monatelanger Pause wieder als Mannschaft trainieren. Corona-Tests machen es möglich. Die Rückkehr ins Training löst besondere Emotionen aus.

Aurich. Was eine Rückkehr zum eigentlich Selbstverständlichen doch für aufgekratzte Emotionen auslösen kann: Die Drittliga-Handballer des OHV Aurich dürfen wieder trainieren. „Einfach geil“, sagt Spieler Wilke de Buhr. „Das schönste Gefühl überhaupt“, sagt Mannschaftsführer Jonas Schweigart. „Die Jungs sind begeistert“, sagt OHV-Trainer Arek Blacha. Er nicht weniger. Eintrittserlaubnis zu jeder Trainingseinheit ist ein Corona-Test.Gemeinsam wieder etwas mit dem Ball machen zu dürfen löst bei den OHV-Spielern Glücksgefühle aus.

 

Seit einer Woche sind die Auricher Handballer wieder im Training. Immer dienstags und donnerstags treffen sie sich jetzt wieder in der Halle. Grundlage überhaupt dafür ist, dass Drittligamannschaften zum Bereich Profisport gehören, der in Pandemie-Zeiten unter Einhaltung der Vorschriften erlaubt ist. Verpflichtend sind Corona-Tests. Die ermöglicht für den OHV der Geschäftsführer des Personaldienstleistungsunternehmens AMD-Germany GmbH in Schirum, Alwin Müller. Er sponsert 225 Tests. „Unkompliziert und auf kürzestem Weg. Solche Unterstützung brauchen wir“, ist Lutz Günsel, zusammen mit Jörg Schmeding Geschäftsführer der OHS, dem wirtschaftlichen Träger der Mannschaft, dankbar dafür. Die Tests reichen für 13 bis 15 Trainingseinheiten. Mannschaftsärztin Renate Kleeblatt hat sich spontan bereiterklärt, die Tests durchzuführen.

 

Endlich wieder Leben in der Halle

 

Grünes Licht bekam der OHV auch schnell und unkompliziert vom Landkreis Aurich und seinem Gesundheitsamt. „Das Hygienekonzept hatten wir ja bereits für die Punktspiele, die wir im Oktober machen konnten, vorbereitet“, sagt OHV-Teammanager Ewald Meyer. Mehr als drei Monate hatten sich die Spieler des OHV nicht mehr getroffen, keinen Ball mehr in der Hand gehabt. Sportlich untätig waren sie in dieser Zeit zwar nicht. Aber individuelle Laufeinheiten und virtuelles Training sind eben kein Vergleich zu dem, was die Spieler gerne möchten und warum sie den Mannschaftssport betreiben – um gemeinsam mit dem Ball zu arbeiten.

 

 Es ist noch nicht so lange her, da hat Blacha zusammen mit Fitnesstrainer Holger Erdelt die Spieler per Online-Verbindung zu den Krafteinheiten begrüßt: „Die Halle leer und ohne Ton.“ Jetzt aber sei wieder Leben drin. „Die Trainer hätten alles mit uns machen können“, verdeutlicht Schweigart, wie alle die Rückkehr herbeigesehnt haben. Die Stimmung sei überragend, so der Mannschafsführer: „Obwohl wir noch nicht mal wissen, wie es weitergeht, sind alle total euphorisch.“ Man merke schon, dass das Training eine andere Belastung ist als vorher, als sich jeder für sich fit gehalten hat, so Schweigart. Und auch de Buhr spürt die erst wieder ungewohnten seitlichen Bewegungen. „Die Halle, das ist das, was die Jungs gebraucht haben“, sagt Blacha. Wieder Kontakt auf dem Spielplatz zu haben. Körper an Körper. Mit Kleber an den Händen. „Ein super, ein unglaubliches Gefühl“, so der OHV-Trainer. Er berichtet von Emotionen, wie sie kleine Kinder ausleben. Die Spieler sind gelaufen, haben geschrien. Eigentlich hat Blacha es lieber ruhiger beim Training: „Aber ich habe es laufen lassen.“

 

Abbruch der Saison wahrscheinlich

 

So lange offen ist, ob und wie die Saison fortgesetzt wird, treiben die Auricher jetzt einfach Sport und spielen Handball. „Wir rufen erst einmal einfachste Handlungen wieder ab“, sagt Blacha. Wenn klar ist, wie die Saison weitergeht, will er ins Spezielle gehen. Vertreter des Deutschen Handballbundes kommen an diesem Mittwochabend mit den Vertretern aller Vereine aus den bundesweit vier Drittliga-Staffeln wieder einmal online zusammem und stellen die nächsten Weichent, wie die Saison fortgeführt werden kann. Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

 

OHV-Teammanager Ewald Meyer ging im Vorfeld jedoch davon aus, dass die Konferenzteilnehmer dafür votieren, die Saison abzubrechen: „In Niedersachsen trainieren meines Wissens bereits zwar alle Drittligisten wieder. Aber wir müssen ja die 3. Liga bundesweit betrachten. Und da können viele Vereine noch nicht wieder trainieren.“ Mit Blick auf eine vereinbarte Vorlaufzeit von vier Wochen Training bis zu einem möglichen Re-Start der Punktspiele läuft den Handballern aber die Zeit bis zum Saisonende weg.

 

OHV plant Teilnahme an freiwilliger Runde

 

Im Fall eines Saisonabbruchs kommt Plan B ins Spiel. Der sieht vor, eine Aufstiegsrunde zu spielen sowie eine Runde auf freiwilliger Basis mit dem sportlichen Reiz, sich für den DHB-Pokalwettbewerb qualifizieren zu können. Für die Aufstiegsrunde können Mannschaften mit Ambitionen in die 2. Bundesliga melden.

 

Klar wäre auch für den OHV die Teilnahme an einer Aufstiegsrunde reizvoll. „Wir sprechen öfter darüber. Eher philosophieren wir aber darüber. Die Sparkassen-Arena, unsere Zuschauer, das würde schon in die 2. Bundesliga passen“, sagt Schmeding. Ein wirkliches Thema ist die 2. Bundesliga, vor allem so lange sie eingleisig ist, für den OHV aber nicht. Die Auricher kündigten an, im Fall Plan B für die Runde auf freiwilliger Basis zu melden.

 

Finanziell kommt der OHV nach Aussagen von Günsel mit einem blauen Auge aus dieser Saison: „Unsere Sponsoren halten zur Stange.“ Was deren Unterstützung für die kommende Saison betrifft, haben die OHV-Verantwortlichen noch keine Gespräche geführt. „Es sind diesbezüglich einfach noch zu viele Fragen offen“, sagt Günsel.

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Vor dem Training müssen die Spieler des OHV (im Bild Wilke de Buhr) erst zum Corona-Test. Den nimmt Mannschaftsärztin Renate Kleeblatt ab. Fotos: Wolfenberg
Auch das gehört zum Training: Nikita Pliuto präpariert die Bälle mit einem Föhn, um sie anschließend zu „entwachsen“.
Gemeinsam wieder etwas mit dem Ball machen zu dürfen löst bei den OHV-Spielern Glücksgefühle aus.